
von Heike Schülein
Bei der Reichenbacher Gemeinderats-Sitzung vom Dienstagabend stellte der Planer Jürgen Kolb die Machbarkeitsstudie für ein Begegnungszentrum vor - Ein lang gehegter Wunsch der Bevölkerung und insbesondere auch der Vereine, der jetzt endlich realisiert werden soll.
Im Mittelpunkt der Gemeinderats-Sitzung stand ein Vorhaben, dem - angesichts der weitreichenden Entscheidung und des erheblichen Investitionsvolumens - ein langes Hin und Her vorausgegangen war. Schon mehrmals hatte sich das Gremium mit einer Sanierung von Turnhalle und ehemaliger Schule befasst und aufgrund der jeweiligen Entwicklungen abweichende Beschlüsse gefasst. Vor rund einem halben Jahr war schließlich das Büro Müller Architekten aus Kronach mit einer Machbarkeitsstudie für das Großprojekt beauftragt worden. Gemeinsam fanden seitdem mehrere Ortsbesichtigungen sowie Gespräche und Unterredungen statt, bei denen man sich seitens der Gemeinde mit verschiedenen Anregungen eingebracht hatte. Im Beisein vieler interessierter Bürger und Vereinsvertreter präsentierte der Planer Jürgen Kolb nunmehr dem Gemeinderat das vorläufige Ergebnis, nachdem im Jahr 2020 bereits ein anderes Büro eine Studie als Vorentwurf vorgestellt hatte.
„Die Kosten wurden damals mit rund 4 Millionen Euro benannt, wobei hinsichtlich der Größe sicherlich etwas übers Ziel hinausgeschossen wurde“, bekundete der Planer. Diese damals genannte Summe wäre - aufgrund der seitdem erheblich angestiegenen Baukosten - nach heutigem Stand vergleichbar mit 7 Millionen Euro. Die von den Müller Architekten erstellte Machbarkeitsstudie sollte sich gezielt am Raumbedarf der Gemeinde orientieren - also nur das beinhalten, was wirklich gebraucht werde. Errichtet wurde die Schule in den Jahren 1963/64; die zehn Jahre später gebaute Turnhalle erhielt 1988 eine neue Dacheindeckung. Für den Teil Turnhalle mit Umkleiden, die nicht über Städtebauförderungsmittel bezuschussbar wären, habe sich die Gemeinde um Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ beworben, das jedoch hoffnungslos überzeichnet sei. Hier könne man nur hoffen, über eine zweite oder dritte Auflage in das Programm reinzukommen, was natürlich für die Gemeinde, um Finanzmittel zu erhalten, sehr attraktiv wäre.
Die Voruntersuchung habe ergeben, dass Schadstoffe in nicht unerheblichem Umfang verbaut worden seien. Dies sei aber für die Bauzeit nicht ungewöhnlich. „Solange die Baustoffe verbaut sind, sind sie nicht schädlich. Aber wenn man rangeht - sprich, wenn man etwas damit macht, muss man damit besonders vorsichtig umgehen“, informierte er. Ansatz seines Büros war es, die Schule in Gänze zurückzubauen und komplett wegzunehmen, um einen bedarfsgerechten Neubau an dieser Stelle zu erstellen, der an die Umkleiden und die Turnhalle angebunden ist. Die insgesamt drei Zugänge sollen so gebaut werden, das Gebäude auf beiden Ebenen barrierefrei betreten zu können. Dies habe den Vorteil, keinen Aufzug zu benötigen, der - neben den Investitionskosten - insbesondere sehr hohe Folgekosten nach sich ziehen würde. Für den Bau des Aufzugs gebe es meistens noch Fördermittel; die Folgekosten blieben jedoch immer zu 100 Prozent an der Gemeinde hängen.
Auf der unteren Ebene schließt sich dem Gymnastikraum, der in etwa die gleiche Größe wie der bestehende erhalten soll, ein Jugendraum an. Zudem soll es sanitäre Anlagen geben, darunter auch ein behindertengerechtes WC. Den Unterbau unter der Turnhalle - es handelt sich um eine Teilunterkellerung - könnte man für die Technik hernehmen sowie für einen großen Lagerraum an der Stelle, wo sich aktuell das Öllager befindet. Insgesamt hätte man auf dieser Ebene Vereins- beziehungsweise Gymnastik- und Gemeinderäume von ca. 180 Quadratmetern. Dies schlage man in gleicher Größe auch im Stockwerk darüber vor - mit einem Raum für den Musikverein, einem Vereinszimmer sowie wiederum sanitären Anlagen.
Die Turnhalle bleibe in ihren bisherigen Abmessungen bestehen. Hierfür gebe es sowohl einen barrierefreien Zugang über den Windfang als auch einen Zugang auf der Seite, wo auch eine Bewirtung oder auch mal Sitzungen stattfinden könnten. Die Umkleiden könnten von vorne begangen werden, aber auch über einen Stichflur, sodass man auch direkt in die Turnhalle komme, ohne die Umkleiden betreten zu müssen. Auch auf dieser Etage gebe es ein Damen- und Herren- sowie ein barrierefreies WC, sodass die sanitären Anlagen auch bei größeren Veranstaltungen ausreichen.
Das Dach werde - für großzügige Photovoltaik-Flächen - neu eingedeckt. Anstelle des alten Schulgebäudes solle ein Holzbau entstehen - zum einen, weil es sich hier um einheimisches Material handele und zum anderen, weil man damit gut Dämmungen herstellen könne, ohne überzogen dicke Wände bauen zu müssen. Stellplätze könnte man in dem aufgrund des Abrisses freiwerdenden Bereich nordöstlich schaffen. Die alte Garage soll ebenfalls entfernt werden.
Eine Besonderheit im Schulhaus stelle das vorhandene bedeutende Wandkunstwerk von Hubert Weber mit dem Motiv der Deutsch-Deutschen Teilung dar. Der Stellungnahme der Denkmalpflege beziehungsweise des Kreisheimatpflegers, dass diese „Kunst am Bau“ erhaltenswert sei, schließe er sich an. Aufgrund der immensen Kosten für die Sicherung und Umsetzung brauche es hierfür aber eine vernünftige Förderung. Untergebracht werden soll dieses auf der zweiten Ebene im Bereich des Treppenhauses, damit das Wandbild einen prominenten Platz erhalte, was auch Bürgermeisterin Karin Ritter (SPD) befürwortete.
An Gesamtkosten gehe man insgesamt von 5.350.000 Euro aus. Darin beinhaltet sind der Rückbau, Entsorgung und Deponiegebühren (300.000 Euro), der Neubau des Begegnungszentrums (1,7 Mio. Euro), die Instandsetzung der Turnhalle (1,8 Mio. Euro), Freianlagen, Parkplätze und Zuwege (400.000 Euro), die fachgemäße Versetzung des Kunstwerks (150.000 Euro), wobei man von einer guten Förderung ausgeht, sowie weitere Kosten wie Heiztechnik usw. Bei der Heiztechnik handele es sich um Erfahrungswerte. Genauere Zahlen wird das Fachbüro Gebhardt ermitteln.
Als nächsten Schritt würde man der Regierung von Oberfranken die Machbarkeitsstudie vorlegen. Von dort erhalte man Bescheid, was an Fördermitteln möglich wäre. Sollten die Planungen finanzierbar sein, müsse ein sogenanntes VGV-Verfahren - als Auswahlverfahren für die Planer - angestrebt werden. Erst dann könne man in die Detailplanung gehen.
Bei der folgenden Diskussion brachte Siegfried Stubrach (BLR) einen Flachbau auf einer Fläche anstelle der zweigeschossigen Variante ins Spiel, was seiner Meinung nach günstiger komme. Laut Jürgen Kolb bedeute eine doppelte Fläche auch eine doppelte Dachfläche. Nach seinem Dafürhalten wäre es wirtschaftlicher, kompakter zu bauen. Zudem warf die Bürgermeisterin ein, dass in diesem Falle die komplette Grünfläche beziehungsweise der Hartplatz wegfalle. Aktuell würde dies zwar nicht benötigt. Vielleicht komme aber in ein paar Jahren der Wunsch beispielsweise von Jugendlichen nach neuen Outdoor-Sportarten auf.
Auf Wunsch des Gremiums wird Jürgen Kolb die Kosten für einen Flachbau ermitteln und diese der zweigeschossigen Variante gegenüberstellen. Zudem soll - auf Wunsch von Peter Dressel (BLR) - geprüft werden, ob weiterer Lagerraum mit einer Größe von ca. 25 Quadratmetern für die SLG Reichenbach geschaffen werden könnte.
Der Gemeinderat kam überein, die günstigere Variante - Flachbau oder zweigeschossig - weiterzuverfolgen, die entsprechenden Planungen der Regierung vorzulegen und den Zuwendungsbescheid zu beantragen.
Sonstiges/Informationen: Der Kirchweihgesellschaft Reichenbach wird die Nutzung der Turnhalle zum Zwecke der Kirchweih im Zeitraum vom 14.09.2026 bis 25.09.2026 gestattet. Auf eine Gebühr wird verzichtet. Die neue Gastronomie „Das Fränkische“ feiert am Donnerstag, 9. April, offizielle Eröffnung. Auf Anregung der Bürgermeisterin soll „Das Fränkische“ auch als Trauort gewidmet werden. Der Beschluss darüber obliegt der Verwaltungsgemeinschaft Teuschnitz. Die für den 11. April geplante Jahreshauptversammlung der Reichenbacher Wehr wird auf den 16. Mai verschoben. Siegfried Stubrach (BLR) prangerte die im ganzen Gemeindegebiet übervollen Altkleider-Container an, was kein schönes Erscheinungsbild abgebe. Die Gemeinde wird klären, in wessen Eigentum die Container stehen, und mit den Verantwortlichen das Gespräch suchen.
Bekanntgaben: Im Rahmen des Kommunalen Förderprogramms wurden mehrere Zuschüsse im Sanierungsgebiet „Ortskern Reichenbach“ gewährt - so der Familie Hella und Peter Förtsch, Hauptstraße 54, für die Neugestaltung von Dach und Fassaden ihres Anwesens Kirchstraße 1 (förderfähige Kosten: 105.000 Euro, Zuschuss: höchstens 25.000 Euro), Corinna Hufnagel, Hauptstraße 34, für die Neugestaltung des Gartenzauns ihres Anwesens (förderfähige Kosten: 16.500 Euro, Zuschuss: 4.950 Euro) sowie Guiseppe Ciron (Fa. Hans Wagner), Brunnenstraße 2, für die Fassaden- und Dachneugestaltung seines Anwesens (förderfähige Kosten: 68.000 Euro, Zuschuss: 20.400 Euro). Mit der Fa. Sell wurde ein Wartungsvertrag für die Wärmepumpe sowie sanitär- und lüftungstechnischen Anlagen im Objekt Rennsteigstraße 16 zum Angebotspreis von 3.250 Euro netto jährlich abgeschlossen. Die Gemeinde erwirbt die Scheune und die Fl.-Nr. 60/13 Gemarkung Reichenbach sowie im Rahmen des Erbbaurechts das Kindergartengebäude von der Kath. Kirchenstiftung Reichenbach zum Preis von 1 Euro unter der Auflage, dieses weiter als Kindergarten zu nutzen.
