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Reichenbach in Feierlaune


von Heike Schülein

 

Seit Jahresbeginn bringt „Das Fränkische Reichenbach“ neues Leben in einen ehemaligen Bauernhof. Am Donnerstag feierte Reichenbachs neue Gastronomie ihre offizielle Eröffnung.

 

„Was man gemeinsam erreichen kann, sieht man an diesem Leuchtturmprojekt“ - Der Stolz stand Reichenbachs Bürgermeisterin Karin Ritter ins Gesicht geschrieben, als sie - nach einer langen und aufregenden Bauzeit - zahlreiche Ehrengäste zur offiziellen Einweihung des seit seiner Eröffnung von der Bevölkerung begeistert angenommenen Gasthauses nebst Pension begrüßen konnte. Das Anwesen Rennsteigstraße 16 wurde hierfür saniert und erhielt einen Anbau. Zur Feier hatten sich vor allem Projektverantwortliche und politische Vertreter eingefunden.

 

„Hier, im ehemaligen Bauernhof bei Gäichers, waren Gäste schon immer willkommen“, bekundete die Bürgermeisterin. Ein Anliegen der früheren Besitzerin sei es dann auch gewesen, dass hier weiter öffentliches Leben stattfinden solle. So habe man sie schnell von den Plänen der Gemeinde eines Freizeit- und Bewegungsparks und einer Gastronomie überzeugen können und den Kaufvertrag geschlossen. Begonnen wurde mit dem Spielplatz, da es für die Kinder so etwas Tolles im Ort noch nicht gegeben habe. Für die Erwachsenen wurden Fitnessgeräte aufgestellt. Seit Beginn an erfreue sich der Park großen Zuspruchs. Zwischenzeitlich wurden die Pläne für das Gebäude fertig. Die Scheune wurde abgerissen; der Anbau erstellt und im Bestand alles umgekrempelt. Erfreulicherweise konnte man mit den Eheleuten Georg und Astrid Daum erfahrene und qualifizierte Pächter gewinnen, die zuvor eine Gastwirtschaft im Nachbarort bewirtschafteten.

 

Sehr dankbar zeigte sich Karin Ritter den Fördermittelgebern gegenüber, da die kleine Gemeinde diesen finanziellen Kraftakt niemals aus eigener Kraft hätte schultern können. Dank gebühre auch den Mitarbeitern der Verwaltungsgemeinschaft Teuschnitz für die Unterstützung, den Fachplanern und Baufirmen sowie ihrem Gemeinderat für den Beschluss.

 

Der Architekt Oliver See gab einen chronologischen Überblick über die Maßnahmen, die sich aufgrund von verschiedenen Anpassungen und Änderungen sowie manch unliebsamen Unwägbarkeiten in die Länge gezogen hatten. Der Abbruch startete im Oktober 2021, der Rohbau im Oktober 2022. Aufgrund des zu kleinen Stromanschlusses konnten in der kalten Jahreszeit immer nur einzelne Räumlichkeiten beheizt und daher nicht alle der durchwegs heimischen Firmen arbeiten. Zu Änderungen und damit Verzögerungen kam es gerade auch im Küchenbereich, da man zunächst von einem Tagescafé und nicht von einem Restaurant ausgegangen war. Am Ende hätten sich all die Mühen und die Gesamtkosten in Höhe von rund 4,2 Millionen Euro brutto gelohnt. Die Gastronomie laufe seit dem 2. Januar auf Vollbetrieb. Entstanden sei etwas Wunderbares - gerade auch in Verbindung mit dem benachbarten Spielplatz, für den er eine Spende für kleinere Anschaffungen überreichte.  

 

Von einem Musterbeispiel in Sachen nachhaltiger Städtebau sprach Oberfrankens Regierungsvizepräsident Thomas Engel; habe man doch die vorhandene Bausubstanz eines alten Bauernhofs einer neuen Nutzung zugeführt. Entstanden sei ein Ort der Begegnung, der zudem den Tourismus fördere und Arbeitsplätze schaffe. Gerne habe man dieses rundum positive Projekt mit circa 1,8 Mio. Euro über das Programm „Innen statt außen“ bezuschusst sowie bereits im Vorfeld den Erwerb des Gebäudes, den Teilabriss, die Planungen sowie den Bewegungspark mit rund 650.000 Euro über die Förderoffensive Nordostbayern mit einem 90-prozentigen Fördersatz. „Das Zusammenspiel von Politik und Verwaltung führt zu solchen Ergebnissen“, würdigte er den Einsatz unserer heimischen Abgeordneten ebenso wie den Mut der Gemeinde angesichts ihrer begrenzten finanziellen Mittel. Nicht möglich wäre das Ganze ohne die Betreiber, denen er wirtschaftlichen Erfolg wünschte.

 

Die Förderoffensive Nordostbayern war - betonte Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner auch namens des ebenfalls anwesenden Bundestagsabgeordneten Dr. Jonas Geissler - im Herbst 2016 von Ministerpräsident Horst Seehofer aufgrund der Initiative der hiesigen Bürgermeister und Abgeordneten aufgelegt worden. Bei dem Förderprogramm für Stadt- und Ortszentren im nördlichen Teil Bayerns wurden bislang rund 600 Projekte mit circa 230 Millionen Euro gefördert. „76 Prozent dieser Summe ging an heimische Unternehmen“, stellte er heraus. Wenngleich Deutschland schwierigen Zeiten entgegen gehe, werde die Städtebauförderung gleichbleiben und in den kommenden beiden Jahren wiederum 500 Mio. Euro in den Bayerischen Staatshaushalt eingestellt.

 

Landrat-Stellvertreter Gerhard Wunder zeigte sich stolz auf derartige Projekte im Landkreis. Das Geld für die Stärkung ländlicher Räume sei sehr gut angelegt. Gerade auch im Hinblick auf den Tourismus sei „Das Fränkische Reichenbach“ in Zeiten, in denen Gastwirtschaften eher ab- als zunähmen, ein echtes Highlight. Mit sorgsamen Worten aus der Bibel erbat Pfarrer Thomas Hauth den Segen für das Gebäude sowie alle, die darin ein- und ausgehen.

 

Dem offiziellen Teil schloss sich ein Rundgang durch die frisch-modernen, gleichzeitig auch rustikal-traditionsbewusst gestalteten Räumlichkeiten an, für die insbesondere Frankenwald-typische Materialien verwendet wurden. Die Pension umfasst sieben Doppelzimmer, jeweils mit eigenem Bad. Im Obergeschoss steht ein Schlafsaal mit insgesamt zwölf Schlafplätzen für Gruppenreisende zur Verfügung, nebst einer Gemeinschaftsdusche jeweils für Herren und Damen, inclusive Toilette. An den Schlafsaal angegliedert ist ein Aufenthaltsraum mit Küchenzeile, in dem die Übernachtungsgäste beispielsweise Frühstück zubereiten können. Im Restaurant im Untergeschoss finden 60 Gäste Platz. Hinzu kommt ein separater Raum mit weiteren 25 Plätzen. Auf der Speisekarte stehen vor allem fränkische Spezialitäten. Das Restaurant und die Pension verfügen über jeweils separate Eingänge.

 

Besonderen Wert legte man auf Nachhaltigkeit und den Umweltaspekt. Zur Anwendung gelangten alternative Energieformen wie eine Solaranlag sowie Erdwärme. Wasserzisternen reduzieren den Verbrauch von wertvollem Trinkwasser und schonen die Ressourcen.

Bildergalerie (Fotos: Heike Schülein)