
von Heike Schülein
Bei der Reichenbacher Gemeinderats-Sitzung vom Mittwochabend wurden weitere Varianten für das geplante Begegnungszentrum vorgestellt. Zu einer endgültigen Entscheidung konnte sich das Gremium jedoch noch nicht durchringen.
Bereits in der März-Sitzung hatte der Planer Jürgen Kolb dem Gemeinderat die Machbarkeitsstudie für das neue Begegnungszentrum vorgestellt, das insbesondere den örtlichen Vereinen zur Verfügung stehen soll. Angesichts der weitreichenden Entscheidung und des erheblichen Investitionsvolumens geht dem Vorhaben ein langes Hin und Her voraus, zurückgehend bis in das Jahr 2019. Schon mehrmals hatte sich das Gremium mit einer Sanierung von Turnhalle und ehemaliger Schule befasst und aufgrund der jeweiligen Entwicklungen die Beschlüsse angepasst. Vor rund einem halben Jahr war schließlich das Büro Müller Architekten aus Kronach mit einer Machbarkeitsstudie für das Großprojekt beauftragt worden - insbesondere auch mit der Zielsetzung eines im Hinblick auf die demografische Entwicklung nicht überdimensionierten Raumprogramms.
Bei der Vorstellung zweier möglicher Varianten in der März-Sitzung hatte Siegfried Stubrach (BLR) einen Flachbau anstelle der zweigeschossigen Variante ins Spiel gebracht. Auf Wunsch des Gremiums hatte der Planer mittlerweile weitere Varianten erarbeitet, darunter eben auch für einen Flachbau erdgeschossig auf Ebene der Turnhalle, sowie die zugehörigen Kosten ermittelt. Die Alternativen stellte er nun - erneut im Beisein zahlreicher Vereinsvertreter - am Mittwochabend abermals dem Gremium vor.
„Wie bereits von mir vermutet, wäre ein Bau auf einer Ebene wesentlich teurer“, erklärte der Planer, dass eine doppelte Fläche auch höhere Kosten insbesondere für die Boden- und Dachflächen mit sich bringe. Um das Ganze zu optimieren, habe er weitere Alternativen erarbeitet. Bei der Variante 4 könne eine Flächeneinsparung erfolgen, indem alle Bewegungs-Angebote in der Turnhalle stattfinden sollen, zumal diese ja nicht rund um die Uhr belegt sei. Die Turnhalle würde hier eine nach oben fahrbare Trennwand erhalten. Zudem habe man den Jugendbereich trotzdem noch einmal einen Stock tiefer vorgesehen, um die Nutzung etwas zu entzerren. Die ganze Maßnahme würde etwa 400.000 Euro günstiger kommen als die große Lösung - sprich alles auf einer Ebene zu bauen. Damit würde sich auch der Eigenanteil der Kommune um rund 100.000 Euro verringern.
Bei einer fast zweistündigen Videokonferenz mit der Sachbearbeiterin Frau Meier von der Regierung von Oberfranken wurden die verschiedenen Standpunkte erörtert. Die Sachbearbeiterin habe dabei gebeten, das Raumprogramm für den Neubau noch etwas zu straffen, indem man nur zeitweise belegte Räume einer Doppelnutzung zuführe. Dadurch benötigte Stauraumflächen wären zuschussfähig. Daraus habe er die Variante 5 abgeleitet - mit deutlich weniger Fläche als die Turnhalle mit den Umkleiden. Der Grundriss wäre ähnlich wie die Variante 4, jedoch ohne den untergeschossig angebauten Teil und dafür mit einer - wegen der Doppelnutzung - erhöhten Lagerfläche von dann insgesamt fast 100 qm. Indem man den Jugendraum als Doppelnutzung anbiete, könnte man insbesondere auch das zweite WC einsparen, sodass diese Lösung nochmals rund 400.000 Euro günstiger als die Variante 4 käme.
Für die Beheizung sind regenerative Energien über Wärmepumpe mit Erdsonden vorgesehen. Nachdem diese für die gesamte Einheit gebaut werden müssten, wäre der Anteil für die Turnhalle über die Städtebauförderung nicht zuschussfähig. Hier müsste man in Vorleistung gehen, um Fördermittel für diesen Anteil der Heizung zu bekommen. Für alles andere, was neu gebaut würde, sowie den Rückbau der Schule habe die Regierung eine hohe Förderung in Aussicht gestellt. Wenn sich das Gremium für eine Variante entscheide, seien Detailplanungen beziehungsweise Änderungen in den Planungen auch im Nachgang noch machbar. Hierfür regte die Sachbearbeiterin einen Workshop an, bei dem alle Nutzer ihre Anregungen und Wünsche einbringen können.
Die Variante 5 mit der Doppelnutzung der Räumlichkeiten schlage mit etwa 2 Mio. Euro zu Buche, die Variante 4 mit dem unten angebauten Jugendraum mit 2,4 Mio. Euro sowie die große ebenerdige Lösung mit gut 2,8 Mio. Euro.
Während Bürgermeisterin Karin Ritter (SPD) sich für eine Beschlussfassung aussprach, sah man zuteil im Gremium noch weiteren Abstimmungsbedarf mit den Vereinen. Siegfried Stubrach (BLR) stellte den Antrag, dass sich der neu gewählte Gemeinderat mit dem Thema befassen solle. Die Entscheidung wurde daher vertagt. Vor der Beschlussfassung soll sich ein Arbeitskreis mit Vereinsvertretern bilden.
Weitere Tagesordnungspunkte
Auf Anregung der Bürgermeisterin wird die Anordnung der Parkplätze bei der Zufahrt zum Kindergarten abgeändert. Bei den bisherigen Planungen müssten die Eltern rückwärts aus den Parkplätzen herausfahren. Hier hegte man Bedenken, eventuell beim Rückwärtsfahren Kinder zu übersehen. Für die neuen Treppen am Rathaus und Feuerwehrhaus werden neue Handläufe aus Edelstahl benötigt. Der Auftrag wurde zum Angebotspreis von 2.500 Euro vergeben. Die Bürgermeisterin gab die Einladung der Reichenbacher Wehr zur Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen am 16. Mai, 19 Uhr, im Feuerwehrhaus ebenso weiter wie die der Original Reichenbacher Blasmusik zum Open Air in der Bastelmühle am 3. Mai, ab 14 Uhr.
Gemeinde vorangebracht
In ihrer letzten Sitzung als Bürgermeisterin war es Karin Ritter wichtig, nach 18 Jahren Danke zu sagen - ihrem Gremium, den Mitarbeitern der Verwaltungsgemeinschaft Teuschnitz sowie allen, die sich für die Gemeinde einbringen. Besonders stellte sie das gute Miteinander über alle Fraktionen hinweg heraus. Jeder im Gremium habe immer „Unser Reichenbach“ in den Fokus gestellt. Ein Rückblick zeigte eine Vielzahl an richtungsweisenden Entscheidungen und Projekten, die die Gemeinde voranbrachten. Hervorzuheben sei dabei die Revitalisierung des Anwesens der Rennsteigstraße 16 mit Baukosten von circa 3,5 Mio. Euro bei einem Zuschuss von knapp 1,9 Mio. Euro. In Verbindung mit dem Freizeit- und Bewegungspark (Kosten: 547.990 Euro / Zuschuss: 489.100 Euro) habe das kleine Dorf etwas geschaffen, was nicht nur in der Region Beachtung finde. Als Grundlagen für weitere Entscheidungen zur Entwicklung der Gemeinde diene das 70-seitige Innenentwicklungskonzert. Der Kauf und Abriss der vier leerstehenden Gebäude in der Hauptstraße 5 und 10 sowie Kremnitzstraße 1 und Kirchenstraße 4 verbesserte das Ortsbild wesentlich. Für diese Maßnahmen flossen 107.800 Euro Fördermittel.
Die Bauarbeiten an der Kreisstraße wurden wieder aufgenommen. Wenn alles planmäßig weitergehe, werde mit der Fertigstellung in diesem Sommer gerechnet. Im Rahmen der Städtebaulichen Aufwertung werden der Bereich an der Brunnenstraße, die Auffahrt zum Kindergarten und der Gemeindepark neugestaltet. Die Kremnitzstraße wurde im Zuge der Erneuung der Wasserleitung, die Rennsteigstraße aufgrund der Verlegung der Stromkabel neu asphaltiert. Auch in den Vorjahren wurden Straßen gebaut - zum Beispiel die Kapellenstraße, die Straße vom Friedhof zur KC 24, die Verbreiterung des Auwiesenwegs und der Gartenstraße, wofür es keine Zuschüsse gab. Bei den ersten Ausbaumaßnahmen, Kirch-, Schul-, Fichten- und Frankenwaldstraße, freute man sich über Zuwendungen von 563.000 Euro. Von den Eigentümern mussten damals noch Straßenausbaubeiträge gezahlt werden. In trockenen Tüchern ist jetzt die Übernahme des Kindergartengebäudes durch die Gemeinde.
Ein besonderes Anliegen war ihr der Dank an die ausscheidenden Mitglieder Kerstin Seitz und Michael Zepmeisel (beide SPD), die sich beide stets sehr konstruktiv eingebracht hätten. Kerstin Seitz gehörte seit 2014 den Gemeinderat an. Sehr viel Zeit und Energie investierte sie in die Kinder- und Jugendarbeit; die Gründung des Kinder- und Jugendtreffs lag in ihrer Verantwortung. Bei vielen Aktionen bewies sie mit ihrem Team großes organisatorisches Talent. Michael Zepmeisel, gebürtig in Steinbach an der Haide, war 18 Jahre lang Mitglied im Gremium. Der Handwerker mit Leib und Seele habe, ohne großen Aufwand darum zu machen, viele Dinge von sich aus selbst erledigt - so viele, dass er 2010 als Bauhofmitarbeiter für Reichenbach eingestellt wurde. Aktuell bringt er sich vor allem als „Spielplatz-Sheriff“ ein. Als Zeichen ihrer Wertschätzung überreichte sie beiden das Wappen der Gemeinde.
Bekanntgaben: Lore Neubauer wurde im Rahmen des kommunalen Förderprogramms ein Zuschuss für Fenster-Erneuerungen der Anwesen Körnergasse 3 und 5a im Sanierungsgebiet „Ortskern Reichenbach“ gewährt. Die förderfähigen Kosten betragen vorläufig 9.000 Euro, der Zuschuss beläuft sich auf 30 %, sprich 2.700 Euro. Für die Rennsteigstraße 16 wurde das Nachtragsangebot 01 der Fa. Reso aus Stadtsteinach für Bepflanzungsarbeiten zur Begrünung des Areals in Höhe von 3.045,21 Euro ebenso beschlossen wie der Nachtrag 23 der Fa. Sell aus Kronach, Gewerk HLS (Heizung-Lüftung-Sanitär), zum Angebotspreis von 20.484,35 Euro. Die Gemeinde verkaufte zwei Grundstücke für 3.000 Euro und 2.500 Euro.
