
von Heike Schülein
Der Teuschnitzer Stadtrat beschäftigte sich in seiner Sitzung am Montagabend mit einem Nachtfahrverbot von Mährobotern zum Schutz von Igeln. Zudem wurden gleich neun Ratsmitglieder verabschiedet.
Einige Gartenbesitzer lassen Roboter ihren Rasen mähen, auch nachts. Dann können die Maschinen für Igel und andere nachtaktive Kleintiere aber zur Falle werden. Die Mähroboter erkennen die Tiere nicht; ihre Klingen können schwere Verletzungen verursachen, appellierte Stefan Srocka (parteilos), der einen Antrag auf Nachtfahrverbot von Mährobotern in den Teuschnitzer Stadtrat eingebracht hatte. Dass diese für Igel so gefährlich sind, hänge mit deren Verhalten zusammen: Bei Igeln handele es sich nicht um Fluchttiere. Vielmehr rollten sich diese bei Gefahr zusammen und blieben liegen.
„Das ist gut bei natürlichen Feinden wie dem Fuchs. Bei Mährobotern haben sie aber keine Chance“, verdeutlichte er, dass die scharfen Messer und rotierenden Klingen Igeln furchtbare Verstümmelungen wie weggehäckselte Nasen, Ohren und Füße zufügten. Im besten Falle seien die Tiere sofort tot. Im schlechtesten Falle müssten sie lange leiden und sie würden zudem von Parasiten und Würmern befallen. Selbst wenn der Gartenbesitzer das Tier am nächsten Tag finde und, was sicherlich nicht bei jedem der Fall sei, diesem helfen möchte, so wisse man nicht, wo man die Igel abgeben könne. Seines Wissens nach gebe es im Landkreis Kronach keine Igelauffangstation mehr, nachdem eine solche einst in Johannisthal vorhandene Einrichtung nicht mehr existiere.
Der Bayerische Landtag habe zwar das Thema im Februar 2026 behandelt, sich aber zu keinem generellen landesweiten Nachtfahrverbot durchringen können. Ein entsprechender Antrag fand keine Mehrheit. Die Verantwortung für Regelungen bleibe bei den Kommunen. Im Landkreis Schwandorf beispielsweise sei ein solches Nachtfahrverbot seit März dieses Jahres in Kraft, was auf die Hartnäckigkeit eines Schwandorfers zurückzuführen sei, der unter anderem eine große Unterschriftenaktion gestartet hatte. Ein solches Verbot würde gerade in das Konzept der Arnikastadt Teuschnitz passen, wo der Tier- und Artenschutz hochgehalten werde. Zudem würde er sich wünschen, damit Vorreiter für andere Landkreis-Kommunen zu werden. Dies gelte umso mehr aufgrund des dramatischen Rückgangs der Igel-Bestände.
Im Gremium herrschte fraktionsübergreifend Konsens, dass Mähroboter nachts nicht fahren sollten. Insbesondere Stefan Raab (CSU/FWG) zweifelte jedoch an der Sinnhaftigkeit eines generellen Nachtfahrverbots. Moderne Mähroboter seien aufgrund ihrer Technik exakt zeitlich programmierbar und verfügten über Schutzvorrichtungen. Verbieten alleine bringe nichts; es müsse in die Köpfe der Menschen. Niemand wolle Igeln etwas Böses - wenn, dann geschehe dies nur aus Unwissenheit. Er regte deshalb - anstatt eines generellen Verbots - einen entsprechenden Aufruf im Mitteilungsblatt an.
Auch Bürgermeister Frank Jakob (parteilos) sah in einem Verbot allein kein Allheilmittel. Bußgelder könne man nur aussprechen, wenn es Zeugen gebe. Aus der Erfahrung heraus wisse man, dass in einer kleinen Stadt wie Teuschnitz, wo jeder jeden kenne, nur die wenigsten Ross und Reiter nannten. Ein Beispiel hierfür seien Verunreinigungen durch Hundekot auf dem Spielplatz und anderen öffentlichen markanten Plätzen, wo selbst Hinweisschilder nichts brächten. „Wir müssen ein paar Fälle ahnden. Das ist das beste Mittel, damit Hundebesitzer das einhalten“, kündigte er für die Zukunft eigene Kontrollen der Stadt an, nachdem dies von dritter Seite - sprich der Polizei - personell gar nicht zu stemmen wäre.
Hinsichtlich des Antrags von Stefan Srocka habe er sich mit dem Landratsamt in Verbindung gesetzt. Nach dessen Auskunft gebe es aktuell noch keine Gemeinde im Landkreis mit einer derartigen Regelung. Gleichwohl sei das Thema schon mehrmals aufgeschlagen. In der Stadt bleibe man dran. Man werde die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Einführung eines Nachtfahrverbots abklären, einen Lösungsvorschlag ausarbeiten und diesen dann dem Stadtrat als Beschlussvorlage vorlegen. Parallel hierzu gibt es umgehend begleitende Informationen für die Bürgerschaft über das Mitteilungsblatt sowie die Sozialen Medien. Hiermit bestand im Gremium einstimmig Einverständnis.
Großer Umbruch im Stadtrat
Von den aktuell 15 Gremiumsmitgliedern scheiden gleich neun aus. Dem Bürgermeister war es wichtig, diesen in persönlichen Worten für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement zu danken. Christian Funk (CSU/FWG) trat 2024 als Nachrücker für Markus Wachter in den Stadtrat ein. Jeweils eine Periode gehörten diesem Tina Löffler, Oliver See (beide FW), Stefan Srocka (parteilos) und Martin Sesselmann (CSU/FWG) an. Zweite Bürgermeisterin Karin Bayer (SPD) zog am 31. Januar 2017 als Nachrückerin in den Stadtrat ein. Durch ihre Vorstandstätigkeiten in Vereinen hätten Christian Funk und Martin Sesselman gleichsam eine Brücke zwischen den Vereinen und dem Stadtrat gebildet. Oliver See brachte sich durch seine fachliche Expertise als Architekt in zahlreichen Baumaßnahmen ein. Stefan Srocka, Tina Löffler und vor allem Karin Bayer zeichneten sich durch ihre Mitarbeit in zahlreichen Gremien aus. 24 Jahre waren Hedwig Schnappauf (FL) und Stefan Raab (CSU/FWG) im Stadtrat vertreten und gehörten ebenfalls zahlreichen Gremien an. Ein besonderes Anliegen waren Hedwig Schnappauf stets die Interessen der Jugendlichen und Senioren, während auch Stefan Raab sehr zum Zusammenhalt und zur Lebendigkeit des Vereinslebens beigetragen habe. Standing Ovation gab es für Peter Goil (CSU/FWG), der von 1996 bis 2026 - 30 Jahre lang - die Entwicklung von Teuschnitz in besonderer Weise mitprägte und nachhaltige Spuren hinterließ. Verabschiedet wurde auch Jonas Pietz als stellvertretender Ortssprecher von Haßlach, nachdem der Ort ab der kommenden Periode Stadträte stellt.
Die scheidenden Mitglieder wurden mit einer Urkunde, einem guten Tropfen aus der Arnika-Akademie beziehungsweise Gutscheinen fürs „Schwarze Kreuz“ bedacht. Alle bekundeten, sich weiterhin für die Stadt einzubringen. Hedwig Schnappauf (FL) hatte drei Wünsche zum Abschied: Mehr Frauen in der Politik, eine mutige Zukunft für die Arnikastadt und ein wertschätzender Umgang im Stadtrat.
Informationen des Bürgermeisters: Die Abbrucharbeiten in der Thüringer Straße in Haßlach sind komplett abgeschlossen. Der Architekt Kersten Schöttner wird die Neugestaltung übernehmen. Für die Platzgestaltung in der Weidenstraße wurde das Geländer errichtet, sodass die Treppe nunmehr wieder ohne Probleme begehbar sei. Die Kanalbauarbeiten in der Weidenstraße laufen. Die Querung der Rappoltengrün Straße habe problemlos funktioniert; der Zeitrahmen konnte eingehalten werden. Die Arbeiten des Bayernwerks am Stromkasten beim „Schwarzen Kreuz“ sind abgeschlossen. Die Neueröffnung der Schaubrauerei kann somit wie geplant am 22. Mai stattfinden.
Sonstiges: Markus Hofmann (FW) dankte der Vereinsgemeinschaft Teuschnitz als Veranstalter für die sehr gelungene Müllsammelaktion am vergangenen Samstag, an der sich über 40 Leute beteiligten. Es sei erschreckend, wie viel Müll gefunden wurde. Positiv sei jedoch die Sauberkeit innerorts, was insbesondere der sehr guten Arbeit des Bauhofs zu verdanken sei. Hedwig Schnappauf (FL) fragte, ob eine Begrünung des Zauns am Teuschnitzer Kindergarten nicht sinnvoller sei anstelle der aufgestellten Kübel. Laut dem Bürgermeister sowie Architekt Oliver See sei eine Eingrünung nicht zu empfehlen, da sich Sträucher im Doppelstabmattenzaun festhingen.
Bekanntgaben: In der nichtöffentlichen Sitzung am 23. März wurde der Haushalt des Schulverbands vorgestellt. Zudem wurde für die Baumaßnahme in der Weidenstraße der Bau der Wasserleitung vergeben. Im Zuge des Kanalbaus hatte sich herausgestellt, dass aufgrund der geplanten Erweiterung des Kanaldurchmessers der Erhalt der bestehenden Wasserleitung auf einer beträchtlichen Länge nicht möglich sei. Das Gremium sprach sich für einen Vollausbau durch die Fa. Schindhelm aus Sonneberg aus, da diese Kosten - im Gegensatz zu einer Sanierung - nach den Förderrichtlinien RZWas förderfähig sind und die Maßnahme somit insgesamt für die Stadt finanziell günstiger komme.
