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Tschirn feiert seinen Ort und seine Kirche


Erzbischof Herwig Gössl segnete die neue Sandstein-Skulptur „Jakobus d.Ä.“
Erzbischof Herwig Gössl segnete die neue Sandstein-Skulptur „Jakobus d.Ä.“

von Heike Schülein

 

Tschirn wurde erstmalig 1276 urkundlich erwähnt. Mindestens so lange gibt es im Ort auch eine Kirche. Zum Höhepunkt des Doppeljubiläums ging es am vergangenen Fest-Wochenende über - mit einem ganz besonderen Gast und ganz besonderen Geschenken.

 

Es war ein beeindruckendes Jubiläum „750 Jahre Gemeinde Tschirn und Pfarrei St. Jakobus d.Ä.“, das am Wochenende im schmucken Bergdorf gefeiert wurde. Würdevollen Glanz erhielten die dreitägigen Feierlichkeiten durch die Anwesenheit von Erzbischof Herwig Gössl, der am Sonntag-Vormittag den Gottesdienst in der so stolz auf einer Anhöhe in 650 Metern thronenden, höchstgelegenen Pfarrkirche im Erzbistum Bamberg zelebrierte.

 

„Die Kirche ist erbauet auf Jesus Christ allein“ - Wenn man die 750-jährige urkundliche Erwähnung vom Ort und der Pfarrei Tschirn feiere, dann gründe sich - so der Bamberger Oberhirte - letztlich alles auf diesen einen Grund. Das Jubiläum - das genaue Alter des Orts und der Kirche bleibt historisch verborgen - gebe Anlass, darüber nachzudenken, welchen Stellenwert der Glaube an Jesus Christus für uns heute habe. Wenn es so oft heiße, dass wir heute in anderen Zeiten lebten, dann bedeute dies nicht unbedingt, dass man darauf stolz sein könne. Der Lebenssinn einer ganzen Reihe an Menschen bestehe heute darin, das eigene Vermögen mit möglichst wenig Aufwand zu vervielfachen. Gott verschwinde dagegen aus dem Leben von immer mehr Menschen.

 

„Wenn Kirchen geschlossen und aufgegeben werden, fast niemand mehr Priester werden will und Kirchenaustritte normal werden, dann wird es bald auch alles andere nicht mehr geben: karitative Einrichtungen, soziale Beratungsstellen, das Wahrnehmen der Notlagen in der weiten Welt“, appellierte er. Ohne Gott wachse die Entsolidarisierung und verschwinde unsere kostbare Gemeinschaft. Umso dankbarer zeigte er sich allen gegenüber, die sich einsetzten, dass in Tschirn der Glaube an Gott gelebt und gefeiert werde - und das nunmehr schon seit über 750 Jahren.

 

Dekan Detlef Pötzl hatte den Erzbischof eingangs in der „liebenswertesten Pfarrei im schönsten Seelsorgebereich der Erzdiözese“ herzlich begrüßt. Er freute sich sehr, dass dieser abermals den Weg in den oberen Frankenwald gefunden habe, obwohl er erst vor einer Woche das 25-jährige Priesterjubiläum von Michael Dotzauer, Dr. Norbert Jung und ihm selbst, Detlef Pötzl, „Am Knock“ in Teuschnitz gefeiert hatte. Willkommen heißen konnte er zudem zahlreiche Ehrengäste aus der Politik - allen voran Landrat und Jubiläums-Schirmherr Klaus Löffler, Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden und Bundestagsabgeordneten Dr. Jonas Geissler - sowie weitere Personen des öffentlichen Lebens.

 

„750 Jahre sind eine lange Zeit; gute und schlechte Zeiten. Wir haben zusammen gelacht, gehofft und geweint, aber vor allem auch vieles gemeinsam angepackt“, würdigte Erster Bürgermeister Klaus Daum den gelebten Zusammenhalt - so wie nunmehr auch beim großen Jubiläum. Sein Dank wie auch der des Dekans galt allen, die zum Gelingen beitrugen. Die gemeinsame Feier von Pfarrei und Kirche solle die enge Verbundenheit unterstreichen. Gleiches gelte für die neue, an dem Tag zu weihende Jakobus-Sandsteinskulptur auf dem Kirchenvorplatz.

 

Stimmungsvoll umrahmt wurde die - von Pfarrer Richard Reis, Gemeindereferent Andreas Roderer sowie den Diakonen Rainer Daum und Alfred Trebes mitgefeierte - Heilige Messe von Philipp Schedel an der Orgel sowie vom Liturgiekreis.

 

„Donnersohn“ in Stein gehauen

Ein innig-ergreifender Moment war im Anschluss die feierliche Segnung der neuen menschengroßen Jakobus-Skulptur, die vom Steinmetz- und Bildhauermeister Steffen Grigoleit, der auch beim Festakt anwesend war, kunstvoll in Sandstein gehauen wurde. Das neue Wahrzeichen entstand auf Initiative von Günter Böhnlein, der alle Verantwortlichen von seiner Idee überzeugen konnte. Finanziert wurde der neue „Diamant“ durch viele Spenden von Vereinen und Privatpersonen. Besonders der Landrat hatte sich sehr in die Spendenakquise eingebracht, sodass man sich über großzügige Zuschüsse der Oberfranken- und Sparkassen-Stiftung beziehungsweise der Sparkasse Kulmbach-Kronach freuen durfte.

 

Musikalisch begleitet wurde die Segnung und der anschließende Festzug zum Festplatz von der Blaskapelle „Edelweiß“ Tschirn, die am Wochenende im Dauereinsatz war - so auch bereits beim Auftakt am Freitagabend. In seiner Funktion als Schirmherr und stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender beschenkte dabei Landrat Klaus Löffler mit Unterstützung der Sparkasse Kulmbach-Kronach die Tschirner Dorfgemeinschaft mit zwei Holzskulpturen. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Kulmbach-Kronach, Steffen Potsdata, und dem Kulturvermittler Ingo Cesaro enthüllte er das - bis dato verhüllte - besondere „Geburtstags“-Präsent. Auf Initiative und einer Idee von Ingo Cesaro hatte der Bildhauer Michael Alexandrov aus Russland in Weißenbrunn, abgeschottet von der Öffentlichkeit, eine zweiteilige Zeitschiene mit den wichtigsten Ortsdaten als auch dem Ortswappen geschaffen. Das Geschenk wird einen würdigen Platz im Ort finden.

 

„Es ist mir eine große Freude, als Schirmherr dieses besondere Jubiläum gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern zu feiern. 750 Jahre Geschichte stehen für gelebte Gemeinschaft, Zusammenhalt und eine starke Verbundenheit zur Heimat“, bekundete der Landrat und weiter: Die Kunstwerke schaffen bleibende Erinnerungen und stehen symbolisch für die Werte, die Tschirn seit Jahrhunderten prägen: Zusammenhalt, Identität und Zukunftsvertrauen.“

 

Der Samstagnachmittag lag mit einem bunten Mitmachprogramm, inklusive Hüpfburg und weiterer Attraktionen, ganz in Hand der Kinder. Ab dem Abend sorgten die Wickendorfer Musikanten für ausgelassene Stimmung. Am Sonntag bestand - nach dem Gottesdienst - die Möglichkeit, auf dem Festplatz zu essen. Mit einem bunten Familien-Nachmittag sowie gemütlichen Beisammensein unter Blasmusikklängen klang das rundum gelungene Fest-Wochenende, das seinen Platz in den Annalen des schmucken Bergdorfs sicher hat, aus.

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Bilder: Heike Schülein